An heißen Sommertagen liegen zwischen einer schattigen Allee und einem versiegelten Betonplatz oft mehrere Grad. Was lange als bloßes Komfortthema galt, ist in Österreichs Städten zur Planungsfrage geworden: Die Zahl der Hitzetage hat laut Umweltbundesamt über die vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen, und gerade dicht bebaute Innenstädte heizen sich stärker auf als das Umland. Parallel dazu schrumpfen Lebensräume für Insekten, Vögel und Wildpflanzen. Wien, Graz und Linz versuchen, beide Probleme zusammen zu denken - mit Bäumen, entsiegelten Flächen, begrünten Fassaden und Wiesen, die nicht mehr jede Woche gemäht werden. Die Ansätze ähneln sich, die Schwerpunkte unterscheiden sich.

Warum die Stadt zur Hitzeinsel wird

Der Effekt ist gut dokumentiert: Asphalt, Beton und Dachflächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab. Dadurch kühlen Städte schlechter aus als ländliche Regionen. Das Umweltbundesamt verweist seit Jahren auf diese sogenannten urbanen Hitzeinseln, die in Hitzeperioden zur gesundheitlichen Belastung werden, besonders für ältere Menschen und Kleinkinder. Begrünung wirkt hier gleich doppelt. Bäume spenden Schatten, und über die Verdunstung von Wasser durch ihre Blätter kühlen sie die Umgebungsluft. Eine ausgewachsene Stadtbaumkrone kann an einem Sommertag spürbar zur Abkühlung beitragen - vorausgesetzt, der Baum hat genug Wurzelraum und Wasser, um zu überleben.

Genau daran hapert es im verdichteten Stadtraum oft. Unter Gehsteigen verlaufen Leitungen, der Boden ist verdichtet, Streusalz und Hundeurin setzen den Wurzeln zu. Viele Jungbäume vertrocknen, bevor sie groß genug werden, um Schatten zu spenden. Die Biodiversität kommt als zweite Dimension hinzu: Eine artenreiche Stadt mit Wildblumen, Sträuchern und alten Bäumen bietet Lebensraum für Bestäuber und Vögel. Eine kurzgeschorene Rasenfläche tut das kaum. Beides - Kühlung und Artenvielfalt - hängt vom selben Faktor ab: davon, wie viel naturnahe, durchlässige Fläche eine Stadt zulässt.

Wien: Schwammstadt und tausende neue Bäume

Wien hat in den vergangenen Jahren stark auf das sogenannte Schwammstadt-Prinzip gesetzt. Die Idee dahinter: Regenwasser nicht möglichst schnell in die Kanalisation abzuleiten, sondern im Boden zu speichern, wo es Bäumen und Pflanzen zugutekommt. Technisch wird dafür unter Gehsteigen und Plätzen ein grobes Substrat aus Schotter eingebaut, in dessen Hohlräumen sich Wurzeln ausbreiten und Wasser sammeln kann. Bei Starkregen wirkt diese Schicht wie ein Puffer, in Trockenzeiten als Reservoir. Die Stadt Wien hat das Verfahren bei zahlreichen Straßenumbauten und Platzgestaltungen angewendet, etwa im Zuge von Neugestaltungen großer Straßenzüge.

Daneben verfolgt die Stadt ein umfangreiches Baumpflanzprogramm und betont regelmäßig, jährlich mehrere tausend Bäume zu pflanzen, auch um Verluste durch Trockenheit und Krankheiten auszugleichen. Hinzu kommen kleinteilige Maßnahmen, die im Stadtbild auffallen: Nebelduschen und Trinkbrunnen an Hitze-Hotspots, sogenannte Coole Straßen, in denen der Verkehr zurückgedrängt und Wasser sowie Begrünung in den Vordergrund gestellt werden. Fassadenbegrünung wird über Förderprogramme unterstützt, mit denen Hauseigentümerinnen und -eigentümer Zuschüsse für Kletterpflanzen und vertikale Pflanzsysteme erhalten können. Begrünte Fassaden beschatten Mauern, dämpfen die Aufheizung von Gebäuden und schaffen nebenbei Nahrung für Insekten.

Auch beim Thema Wildblumen hat Wien umgesteuert. Auf vielen Grünflächen wird seltener gemäht, damit Wiesenblumen blühen und versamen können. Was manchen Anrainerinnen zunächst ungepflegt erscheint, folgt einem ökologischen Kalkül: Eine extensiv gepflegte Wiese bietet über die Saison deutlich mehr Blüten und Lebensraum als ein dauerhaft kurzer Rasen.

Graz: enge Lage, gezielte Entsiegelung

Graz steht vor einer besonderen Herausforderung. Die Stadt liegt in einem Becken, in dem sich Hitze und im Winter auch Feinstaub stauen, weil der Luftaustausch eingeschränkt ist. Begrünung ist hier nicht nur Kür, sondern Teil der Strategie gegen Belastungen, auf die das Umweltbundesamt für den Grazer Raum wiederholt hingewiesen hat. Die Stadt hat in den letzten Jahren begonnen, versiegelte Flächen gezielt aufzubrechen und in Grünraum umzuwandeln. Bei der Neugestaltung von Plätzen und Straßen werden Bäume mit größeren Wurzelräumen gesetzt, teils ebenfalls nach dem Schwammstadt-Prinzip.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich im dicht bebauten Zentrum überhaupt noch Platz für Grün finden lässt. Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen spielen deshalb eine wichtige Rolle, weil sie Flächen nutzen, die sonst brachliegen. Begrünte Dächer halten Regenwasser zurück, isolieren Gebäude und mindern die Aufheizung. Graz hat solche Maßnahmen in seinen Bebauungsbestimmungen verankert, sodass bei größeren Neubauten Begrünung mitgedacht werden muss. Daneben setzt die Stadt auf Bewusstseinsbildung und kleinere Beteiligungsprojekte, bei denen Anrainerinnen und Anrainer Baumscheiben und kleine Flächen vor der eigenen Haustür bepflanzen können.

Linz: vom Industrieimage zur grünen Achse

Linz trägt noch immer das Etikett der Industriestadt, hat aber in Sachen Begrünung in den letzten Jahren aufgeholt. Die Stadt liegt an der Donau und verfügt mit den Donauauen über wertvolle naturnahe Flächen am Stadtrand, die als Rückgrat für die Biodiversität dienen. Die Herausforderung besteht darin, diese grünen Ränder mit dem dicht bebauten Zentrum zu verbinden. Linz arbeitet an Grünzügen und an der Aufwertung bestehender Parks, ergänzt durch neue Baumpflanzungen entlang von Straßen und auf Plätzen.

Auch hier rückt das Wassermanagement in den Vordergrund. Bei Sanierungen wird zunehmend darauf geachtet, Regenwasser vor Ort versickern zu lassen, statt es in den Kanal zu leiten - der gleiche Grundgedanke wie bei der Schwammstadt. Fassaden- und Dachbegrünung wird gefördert, und auf öffentlichen Flächen experimentiert die Stadt mit Wildblumenwiesen, die Bestäubern Nahrung bieten und gleichzeitig den Pflegeaufwand senken. Der Weg von der Stahlstadt zur grüneren Kommune ist nicht abgeschlossen, aber die Richtung ist erkennbar.

Was die Maßnahmen leisten - und was nicht

So unterschiedlich die lokalen Schwerpunkte sind, der Werkzeugkasten gleicht sich. Im Kern setzen alle drei Städte auf dieselben Hebel:

  • mehr und besser versorgte Bäume gegen Hitzeinseln, oft mit unterirdischen Schwammstadt-Substraten
  • Entsiegelung und Versickerung, damit Regenwasser im Boden bleibt
  • Fassaden- und Dachbegrünung, um ungenutzte Flächen zu aktivieren
  • extensiv gepflegte Wildblumenflächen für mehr Artenvielfalt

Bei aller Dynamik bleibt der Maßstab bescheiden. Ein neu gepflanzter Baum entfaltet seine kühlende Wirkung erst nach Jahren, und gegen die übergeordnete Entwicklung des Klimas richten lokale Maßnahmen wenig aus. Sie können die Folgen abmildern, nicht die Ursache beheben. Zudem konkurriert Grünraum im dichten Stadtkern hart mit anderen Nutzungen - Parkplätzen, Leitungen, Baurecht. Jede entsiegelte Fläche ist das Ergebnis von Abwägung und oft von Konflikt. Wie verlässlich die Programme wirken, lässt sich auch deshalb noch nicht abschließend beurteilen, weil viele Maßnahmen erst wenige Jahre alt sind.

Was bleibt

Wien, Graz und Linz haben Begrünung von einer dekorativen Frage zu einem Bestandteil ihrer Stadtplanung gemacht. Schwammstadt-Substrate, geförderte Fassadenbegrünung und seltener gemähte Wiesen sind keine Schlagworte mehr, sondern in Bauordnungen, Förderrichtlinien und Pflegeplänen angekommen. Der gemeinsame Nenner ist die Einsicht, dass Kühlung und Artenvielfalt zusammengehören und beide von durchlässigem, lebendigem Boden abhängen. Was am Ende zählt, ist weniger die Zahl der gepflanzten Bäume als die Frage, wie viele davon in zehn Jahren noch stehen und Schatten werfen. Daran wird sich zeigen, ob aus Programmen tatsächlich kühlere und artenreichere Städte werden.