Mülltrennung gehört in Österreich zum Alltag wie das Pfandsackerl an der Supermarktkassa. Trotzdem landet erstaunlich viel im falschen Behälter. Restmüllanalysen aus den Bundesländern zeigen seit Jahren dasselbe Bild: Ein großer Teil dessen, was in der schwarzen Tonne landet, hätte dort nie hingehört. Das ist kein Schönheitsfehler. Jeder Joghurtbecher und jede Konservendose in der falschen Tonne geht dem Recyclingkreislauf verloren und muss teuer verbrannt statt günstig verwertet werden.

Die gute Nachricht: Seit der bundesweiten Vereinheitlichung ist das System einfacher geworden, als viele glauben. Wer ein paar Grundregeln kennt, trennt in wenigen Sekunden richtig. Dieser Überblick erklärt, was seit 2023 und 2025 neu ist, was wohin gehört und welche Fehler sich besonders hartnäckig halten.

Das neue System: alle Leichtverpackungen in eine Tonne

Lange war Österreich ein Flickenteppich. Je nach Bundesland und Bezirk durften unterschiedliche Dinge in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne, anderswo wurden Metallverpackungen getrennt erfasst. Wer übersiedelte, musste das Trennen quasi neu lernen.

Mit der bundesweiten Vereinheitlichung änderte sich das. Seit 2023 in den ersten Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Kärnten, Salzburg) und seit 1. Jänner 2025 verpflichtend in ganz Österreich gilt eine einheitliche Regel: Alle Leichtverpackungen aus Kunststoff und Metall kommen gemeinsam in den Gelben Sack beziehungsweise die Gelbe Tonne. Die frühere Trennung zwischen Kunststoff und Metall entfällt damit für Haushalte.

Konkret heißt das, in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gehören:

  • Plastikflaschen ohne Pfand, Joghurtbecher, Margarinedosen, Plastiktuben
  • Plastiksackerln, Folien und Verpackungsfolien
  • Getränkekartons (Tetra Pak) und Milchverpackungen
  • Konservendosen, Getränkedosen ohne Pfand, Aludeckel, Kronkorken
  • kleinere Metall- und Verbundverpackungen, etwa Tuben oder Menüschalen

Faustregel: Was eine Verpackung war, leicht ist und aus Kunststoff oder Metall besteht, gehört ins Gelbe – sofern es nicht bepfandet ist.

Laut der Sammel- und Verwertungsgesellschaft ARA hat die Umstellung messbar etwas gebracht. Die getrennt gesammelte Kunststoffmenge aus Haushalten ist gegenüber den Jahren vor der Vereinheitlichung deutlich gestiegen, und die Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen liegt laut ARA mit rund 25 Prozent über dem bisherigen EU-Zielwert von 22,5 Prozent. Insgesamt wurden 2024 mehr als eine Million Tonnen Verpackungen und Altpapier in Österreichs Haushalten getrennt gesammelt. Das neue EU-Ziel von 50 Prozent Recycling, das ab 2025 gilt, ist allerdings ambitioniert – und es lässt sich nur erreichen, wenn die Verpackungen sauber im Gelben statt im Restmüll landen.

Glas, Papier, Bio: die übrigen Fraktionen

Neben dem Gelben gibt es vier weitere zentrale Sammelschienen, die unverändert geblieben sind.

Altglas

Glasverpackungen kommen in den Altglascontainer, sortiert nach Weißglas und Buntglas. Diese Trennung ist nicht Bürokratie, sondern Technik: Schon wenig Buntglas verfärbt eine ganze Charge Weißglas, das sich dann nicht mehr zu klarem Glas recyceln lässt. Wichtig: Trinkgläser, Spiegel, Fensterglas oder Glasgeschirr gehören nicht in den Altglascontainer. Sie haben eine andere chemische Zusammensetzung und einen anderen Schmelzpunkt als Verpackungsglas und stören das Recycling – sie kommen in den Restmüll.

Altpapier

Papier und Karton werden getrennt gesammelt, vielerorts in der roten Tonne. Hierher gehören Zeitungen, Kataloge, Karton und Kuverts. Häufige Irrtümer: Beschichtetes Backpapier, stark verschmutzte Pizzakartons und Kassabons gehören nicht ins Altpapier. Kassabons bestehen meist aus Thermopapier und müssen in den Restmüll.

Biomüll

In die braune Biotonne gehören Obst- und Gemüsereste, Kaffeesud, Eierschalen, Gartenabfälle und verdorbene Speisereste. Entscheidend: ohne Plastik. Auch sogenannte „kompostierbare" Plastiksackerln sind in vielen Sammelregionen unerwünscht, weil sie in der Praxis zu langsam verrotten und in den Anlagen als Störstoff aussortiert werden müssen; einheitliche Regeln gibt es österreichweit nicht, daher lohnt der Blick auf die Vorgaben des örtlichen Abfallverbands. Knochen und große Mengen gekochter Essensreste sind je nach Region ebenfalls eingeschränkt – im Zweifel die regionalen Vorgaben prüfen.

Restmüll

Der Restmüll ist die Auffangfraktion für alles, was sich nicht verwerten lässt: Hygieneartikel, Taschentücher, Staubsaugerbeutel, Windeln, kaputtes Geschirr, Asche oder verschmutzte Verbundmaterialien. Er sollte aber genau das sein – ein Rest, nicht der Standardweg für bequemes Wegwerfen.

Die häufigsten Fehler

Restmüllanalysen aus den Bundesländern zeigen Jahr für Jahr dieselben Schwachstellen. Wer diese vermeidet, trennt bereits besser als der Durchschnitt:

  • Verpackungen im Restmüll. Der Klassiker. Becher, Dosen und Folien landen aus Bequemlichkeit in der schwarzen Tonne, statt im Gelben. Das ist der teuerste und häufigste Fehler.
  • Bioabfall im Restmüll. Ein erheblicher Teil des Restmülls ist organisches Material – die NÖ Restmüllanalyse 2025 weist mehr als ein Viertel (rund 27 Prozent) Organik und Lebensmittelabfälle aus, darunter viele eigentlich vermeidbare Lebensmittelabfälle. Hier hängt Mülltrennung eng mit dem Thema Lebensmittelverschwendung zusammen.
  • Batterien und Akkus im Hausmüll. Besonders gefährlich. Lithium-Ionen-Akkus aus Handys, Kopfhörern oder Werkzeugen können sich beim Pressen entzünden und Brände in Sammelfahrzeugen und Sortieranlagen auslösen. Sie gehören in die Problemstoffsammlung oder zur Rücknahme im Handel – niemals in eine Haustonne.
  • Verschmutzte Verpackungen. Verpackungen müssen nicht ausgewaschen werden, „löffelrein" reicht völlig. Stark mit Speiseresten verklebte Teile gehören aber in den Restmüll.

Eine sinnvolle Mülltrennung ist letztlich der erste Schritt zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft: Nur sauber getrennte Wertstoffe lassen sich überhaupt zu neuem Material verarbeiten. Trennen ist also kein Selbstzweck, sondern die Eintrittskarte ins Recycling.

Abgrenzung: Pfand ist nicht Mülltrennung

Seit 1. Jänner 2025 gibt es in Österreich ein Einwegpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall – also PET-Flaschen und Getränkedosen von 0,1 bis 3 Liter. Pro Gebinde werden 25 Cent Pfand eingehoben, erkennbar am offiziellen Pfandlogo auf der Verpackung. Ausgenommen sind unter anderem Milchpackungen und Getränkekartons – diese bleiben pfandfrei und gehören weiter ins Gelbe.

Das sorgt anfangs für Verwirrung, weil PET-Flaschen und Dosen früher schlicht in den Gelben Sack wanderten. Die Regel ist aber klar:

  • Mit Pfandlogo: unzerdrückt, mit lesbarem Etikett, zur Rückgabe in den Handel bringen. Diese Verpackungen gehören nicht in den Gelben Sack.
  • Ohne Pfandlogo: weiterhin in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.

Während der Übergangsphase 2025 waren beide Varianten im Umlauf. Seit 2026 dürfen praktisch keine bepfandfreien Getränkeflaschen und -dosen mehr neu verkauft werden – die Unterscheidung wird damit einfacher. Das System läuft besser als erwartet: Laut den Betreibern lag die Rücklaufquote schon im ersten Jahr bei 81,5 Prozent und damit über der gesetzlichen Zielmarke von 80 Prozent (90 Prozent sind bis 2027 vorgesehen); rund 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen kamen so bis Ende 2025 in den Materialkreislauf zurück. Wer Details zum Pfandsystem sucht, findet sie im Überblick zum Einwegpfand in Österreich.

Wichtig ist die mentale Trennung der beiden Systeme: Pfand ist ein Rückgabesystem mit finanziellem Anreiz, Mülltrennung ein Sortiersystem. Eine Bierdose mit Pfandlogo bringt 25 Cent zurück – dieselbe Dose ohne Logo bleibt ein Fall für die Gelbe Tonne.

Fazit

Mülltrennung in Österreich ist seit der Vereinheitlichung deutlich übersichtlicher: Leichtverpackungen aus Kunststoff und Metall gemeinsam ins Gelbe, Glas nach Farbe getrennt, Papier und Bio jeweils sauber in ihre Tonne, der Rest in den Restmüll. Wer zusätzlich Pfandgebinde zurückbringt und Batterien aussortiert, macht das Wesentliche richtig. Die größten Hebel sind dabei nicht kompliziert, sondern eine Frage der Gewohnheit: weniger im Restmüll entsorgen, im Zweifel die Vorgaben des örtlichen Abfallverbands ansehen – und Verpackungen konsequent dorthin geben, wo sie wieder zu Rohstoff werden.